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Gott, wie nennst Du mich?

In der Bibel finden wir viele Lebensgeschichten und da gibt es manchmal diese Momente, wo Gott zu einem Menschen sagt: «Von nun an wirst du so und so heissen». Namen deuten unter anderem auf die natürliche Abstammung hin oder auf einen charakteristischen Wesenszug des Menschen und beinhalten Transformations- und Berufungsaspekte.

2020 las ich wieder einmal die Geschichte von Andreas, der seinen Bruder Simon zum ersten Mal zu Jesus schleppt. Dort wird diese Begegnung von Simon und Jesus folgendermassen beschrieben: Jesus sah Simon aufmerksam an und sagte: «Du bist Simon, der Sohn des Johannes – doch du wirst Kephas* genannt werden (*Petrus = Fels).» Jesus wusste, wer Simon der natürlichen Abstammung her war und gleichzeitig deutete er prophetisch darauf hin, welche Rolle/Position er ihm im Reich Gottes haben würde. Wie faszinierend, dass Simon, ein temperamentvoller Mann, der immer wieder mal vor lauter Elan über`s Ziel hinausschoss und sich masslos überschätzte, diesen Namen bekam. Jesus hatte bereits eine Vision, was er durch seinen Geist im Herzen von Simon bewirken wollte.

 

Die Sehnsucht, meinen Berufungsnamen auch zu kennen, hat mich veranlasst, Gott danach zu fragen. Es dauerte ein paar Monate, da meldete sich plötzlich eine Kollegin bei mir. Sie erzählte, dass sie schon vor ein paar Monaten einen Eindruck für mich gehabt hätte. Der Inhalt sei ihr aber so komisch vorgekommen, dass sie die Eingebung auf die Seite schob, bis sie wieder daran erinnert wurde. Dann erzählte sie von diesem hebräischen Namen «Chaya», der damals in ihr aufgetaucht sei und sie augenblicklich an mich denken liess. In diesem Moment wusste ich in meinem Innersten, dass das mein Berufungsname ist. Natürlich hatte ich keine Ahnung von der Bedeutung und machte mich schlau. Der Name meint ursprünglich lebendig, leben, «Mutter der Lebenden».

 

Zuerst habe ich mal eine Runde geheult, weil ich so berührt war. Warum? Schon im Primarschulalter manifestierte sich in mir eine ausgeprägte Mutterwunde. Bereits als Kind habe ich mich in meinem Herzen entschieden, nie so zu werden wie meine eigene Mutter. Sie verkörperte für mich «lebendig tot». Das Paradoxe und gleichzeitig so Normale war, dass ich anfangs Zwanzig immer mehr wurde wie sie: Matt, energielos und sehr unsicher. Ich beschäftigte mich oft damit, mir das Leben zu nehmen. Noch vor Dreissig stiess ich zudem auf den Vers in Jesaja 54, wo es heisst:

 

«Juble, du Unfruchtbare, die du nicht geboren hast! Freue dich und jauchze, die du nicht schwanger warst! Denn die Einsame hat mehr Kinder, als die den Mann hat, spricht der Herr

 

Damals konnte ich mit diesen Worten nicht viel anfangen, sie begegneten mir aber öfters in meinem Leben und wurden mir auch von anderen Menschen zugesprochen. Tatsächlich haben mein Mann und ich keine eigenen Kinder gekriegt.

 

Bis Mitte Dreissig floss meine Hauptenergie in einen schmerzhaften Aufarbeitungs- und Heilungsprozess. Ich wollte entweder das Leben in Fülle finden oder dann lieber sterben. Alle Träume, die Gott mir schon im Mutterleib ins Herz gelegt hatte und auch die Visionen, die im Laufe meines Lebens entstanden sind, waren tief verschüttet. Dann, Ende Dreissig war ich allmählich imstande, meinen Träumen nachzugehen. Es begann mit einer Ausbildung zur Individualpsychologischen Beraterin. Danach mit der Selbständigkeit als Beraterin. Dann mit dem Umzug ins Haus unserer Träume, wo wir als Ehepaar vermehrt das leben konnten, was uns schon seit Beginn unserer Freundschaft vorschwebte.

Ich wurde quicklebendig, relevant für viele Menschen, Hoffnungsträgerin und lebendiges Zeugnis für die verändernde Kraft Gottes. Inzwischen bin ich Mutterersatz für einige junge Frauen, Hebamme für Lebensträume, Ernährerin mit dem Wort Gottes, Fürsprecherin und Ermutigerin für Verletzte und Andersartige.

Um mich herum blühen Menschen auf. Ich identifiziere mich voll und ganz als «Mutter der Lebendigen» und liebe den Klang meines Namens und die Bestimmung, die mir zu Teil wurde. Und ich bin begeistert, dass der biblische Gott, durch und durch ein Wiederhersteller ist. Wenn wir Jesus erlauben, unser Herz zu heilen, schreibt er mit uns Heilsgeschichte genau in den Bereichen, die Satan zu zerstören versuchte. Es gibt nichts lohnenderes als in die Beziehung zu Jesus zu investieren und sich mit der Vergangenheit zu versöhnen und der Heiligung nachzujagen.

 

Shalom

Anita

 

 

PS: Wenn du in biblischen Geschichten die Namensbedeutung einzelner Personen erforschst, wirst du zu einem tieferen Verständnis der einzelnen Botschaften gelangen. Und wie wär`s, wenn Du Jesus fragst, wie er dich nennt?

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